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Generationen tragen ihre Definitionen im Namen. Die Kriegs-, Nachkriegs-, Wirtschaftswunder-, 68er-Generation und Generation X. Oder so: Die Zeit der Friedens-, Frauen- und Umweltbewegung. Und heute: Generation Methusalem, Generation @, Praktikum, Papst, Handy, Generation Golf. Jedes Mal eine Generation Namenlos, die im Flüchtigen, im Schnellen lebt und immer schon erledigt ist, wenn sie auftaucht.
Rückkehr in die Leere
Der Protagonist in "Vatersprache" von Albert Ostermaier ist in genau diesem Sinn generationslos. Dazu ist er "vaterlos", weil der gerade gestorben ist und einen Platz hinterlässt, der eigentlich nie besetzt war: "ich hatte keinen / vater und hätte viele väter / haben können" - "nicht da zu sein ist / die grausamste form / der nähe".
Jetzt, wo der Vater tot ist, hinterlässt er dem Sohn nicht einmal ein gelebtes Leben. Nur eine leer geräumte Wohnung findet er vor, als er aus dem Ausland anreist, um sein Erbe anzutreten. Viel Staub, ein Teppich, ein Schrank. Der Vater hat nichts gegeben und nichts gelassen, an dem sich der Sohn abarbeiten kann, selbst am Schrank kann er seine Wut nicht auslassen, denn er ist typisch deutsch, er "ist völlig aus / eichenholz das kann ich / nie eintreten".
So bleibt ihm nichts anderes, als dem Vater mit seiner eigenen Sprache eine Stimme zu geben und ihn zu beschimpfen. Der unsichtbare Vater als Gegner. Der Vater als Schablone für ein Deutschtum, das dem Sohn zuwider ist. Der Vater, der für mögliche Generationenkonflikte herhalten muss: Der, der "die hand in die luft gestreckt / die hand angelegt für deutschland" hat, oder der, der "um ein haar" "in den untergrund gegangen wäre", oder aber der, der "benzinlappen in den hals / der bierflasche" gesteckt hat.
Je mehr der Sohn redet, umso mehr verzweifelt er. Jeder Vorwurf läuft ins Leere. Er wird entlarvt als Klischee. Jede Konsequenz aus den Vorwürfen erscheint absurd. Sie sähe so aus, dass "wir uns vor eure / bürotürme ketten / müssten oder noch / konservativer werden als / ihr es längst seid".
Die Suche nach Identitäten
Genau das ist das Dilemma, von dem Ostermaier erzählt: Nur so und nicht anders sprechen zu können. Weil alles schon gesagt, gelebt und widerlegt, als bekannt abgehakt und damit schwach geworden ist. Durch diese fehlende, treffende Benennung des Vergangenen, fehlt auch die Benennung, die Verortung des Eigenen, der eigenen Person, der eigenen Meinung, der eigenen Welt. So sucht der Sohn in dieser kalten deutschen Wohnung nicht nur nach der Identität des Vaters, sondern auch nach seiner eigenen: "vater / warum muss ich mir / ein bild von dir machen / und kann dir nicht einfach / ins gesicht schlagen / meine züge aus deinem gesicht".
Albert Ostermaiers prosaisches Lyrikstück (der Verlag hat die Gattungsbezeichnung sicherheitshalber weggelassen) beginnt mit dem Ende dieses hektischen, ein wenig panisch wirkenden Monologs: "es war umsonst", steht dort als Erstes.
Der Sohn fliegt zurück, fluchtartig verlässt er sein Vaterland, ebenso wie seine Vatersprache. Erfolglos und enttäuscht. Die einzige Genugtuung ist vielleicht die, dass durch ein fehlendes Kennenlernen oder gar durch eine Aussprache auch der Vater um etwas betrogen wurde, denn zumindest hat dieser nie eine Absolution erhalten: "und nun / wolltest du schuldlos sein / in deinem annehmen / der schuld". Falls er das wollte, zumindest.
Nicht umsonst aber scheint der Versuch einer Anklage und Urteilsverkündung (und es bleibt offen, ob der Angeklagte überführt wurde), die in hohem, stakkato-artigen Tempo von einem durchs Nichts traumatisierten, jungen Menschen erzählt wird. Denn die Verwandlung in lyrische Sprache ist der letzte Versuch, den Zwängen der anderen Generationen zu entkommen und ihnen dann doch standzuhalten.
Albert Ostermaier: Vatersprache. Edition Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003. 59 Seiten, Paperback. 6,50 Euro.
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