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Schickt uns die Namen der Aussteiger, die im Weltarchiv der Aussteiger™ fehlen und begründet, warum sie ins Weltarchiv gehören. Die skurrilsten Nennungen nehmen an der Verlosung des Frühlingsgewinnspiels von lit04.de teil. Zu gewinnen gibt es einen Ausstieg mit einem Redakteur Eurer Wahl aus einer Berliner U-Bahn Eurer Wahl an einer Station Eurer Wahl.
Für Aussteigernennungen hier klicken! Formular erscheint in einem PopUp!
Aust, Stefan / Döpfner, Mathias / Kilz, Hans-Werner (Reformaussteiger).
Nach der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", die schon vor vier Jahren aus der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung vom 01.12.1995 ausgestiegen ist, haben jetzt auch die Chefredakteure des "Spiegel" (Stefan Aust), der "Süddeutschen Zeitung" (Hans-Werner Kilz) und der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG (Mathias Döpfner) beschlossen, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren und aus dem Beschluß zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung auszusteigen. Zusammen erreichen die drei Verlagshäuser mehr als 60 % der Bevölkerung.
Benn, Gottfried (Hautarzt und Innerer Emigrant).
Glaubt, er kann groß in den Nazi-Literaturbetrieb einsteigen. Weil aber seine Gedichte als "widernatürliche Schweinereien" gesehen werden, steigt er aus, indem er als Kasernenarzt in die Wehrmacht einsteigt und sich bis Kriegsende mit lyrischem Selbstgespräch, Tripper und Nicht-Auffallen beschäftigt.
Best, Pete (beinahe-Musiklegende).
Einer der größten Aussteiger der Musikgeschichte: Gerade auf dem Weg, Teil einer ganz großen Musiklegende zu werden, steigt er 1962 aus und wird kein ewiger Beatle. Keiner der großen Fab Four. Bezeichnet sich aber heute als Kopf der mäßig erfolgreichen Pete Best Band als "the man who put the beat in beatles" – seien ihm diese Lorbeeren gegönnt.
Brinkmann, Rolf Dieter (Literat).
Daueraussteiger, der gegen alles außer sich selbst war. Warf seine Gedichte wie Brandbomben in die kleinbürgerlichen Gartenlauben der sechziger Jahre. Bei einer Lesung sagte er zu Marcel Reich-Ranicki "Wenn dieses Buch in meiner Hand ein Gewehr wäre, würde ich sie über den Haufen schießen". Stieg das letzte Mal 1975 in London aus seinem Auto aus und wurde überfahren.
Cobain, Kurt (Grunge-Gott).
Als ordentlicher Generation-Xer steigt Cobain
aus der karrieregeilen Buergergesellschaft aus. Dafür steigt er mit seiner
Band "Nirvana" groß ins Alternativmusikgeschäft ein. Als ordentlicher
Rockstar steigt er allerdings später per Schrotflinte aus dem Showbiz aus
und wird Legende. Heute werden auch auf kleineren Jahrmärkten
"Nirvana"-T-Shirts verkauft, die von Leuten getragen werden, die gern wie Aussteiger aussehen würden..
Crusoe, Robinson (Schiffbrüchiger).
Wird von den Naturgewalten aus der Zivilisation ausgestiegen. Auf seiner einsamen Insel schafft er sich durch Hüttenbau und Ziegenzucht eine neue. Eines Freitags trifft der Kolonist dann einen treuherzigen Eingeborenen, der durch Crusoes arbeitsethisches Vorbild zum Ausstieg aus der edlen Wildnis erzogen wird und somit das Klassenziel erreicht.
Dietrich, Marlene (Diva).
Steigt aus dem öffentlichen Leben aus, als sich die Illusion von Vitalität und Jugend nicht mehr aufrechterhalten lässt. Die alternde Diva schürt die eigene Legende des Geheimnisvollen aus den vier Wänden ihrer Pariser Wohnung, bis sie mit 91 Jahren endgültig aussteigt.
Drews, Jürgen (Voll-Prolet).
War früher mit seinem Bett im Kornfeld in deutschen Landen. Hat sich eines Tages nach Oberbayern aufgemacht. Gut, könnte man sagen: Das lässt sich im weitesten Sinne ja auch noch als Deutschland deuten. Nur liegt Drews' liebstes Oberbayern nicht am Alpenrand, sondern am Rand jeglichen guten Geschmacks – und scheinbar jenseits der Zivilisationsgrenzen: Als selbstgekrönter "König von Mallorca" und "Prinz von Arenal" in Personalunion setzte er sich zum Ziel, die Baleareninsel zu regieren. Und terrorisiert nun all-abendlich sein Volk in einer prominenten Sangria-Spelunke.
Diogenes (Zyniker).
Steigt aus dem Wohnmilieu der Spießer aus und zieht sich in eine Tonne zurück. Ur-Typ aller bürgerlichen Aussteiger, denn er verschwindet nicht wirklich, sondern bleibt in der Nähe des Wohnmilieus der Spießer, um seinen Ausstieg aufdringlich zu demonstrieren.
Effenberg, Stefan (Selbstdarsteller).
Der Über-Aussteiger unter den Spitzensportlern: Verabschiedet sich einst nicht nur von München in Richtung Wolfsburg, dann als Bild-Testimonial von einem Hauch Seriosität und schließlich mit "Ich habe es allen gezeigt" von jeglichen Schriftstellerambitionen. Im Mai 2003 schickt sich der abgehalfterte Spielmacher selbst in die Wüste und kickt fortan für "Al Arabi" in Qatar.
Eva, Adam und (erster Mensch und Menschin).
Erste Schrebergärtner der Menschheitsgeschichte, erleben die Gefahren selbstgezogenen Obstes am eigenen Leibe und tauschen die Gartenidylle gegen zwei schlecht erzogene Söhne und eine Wohnung mit Stadtblick.
Faust, Heinrich (Seelenverkäufer).
Steigt aus dem konventionellen Wissenschaftsbetrieb aus, um alternative Konzepte der Forschung zu entwickeln. Außerdem will er mal richtig ausspannen und Zeit für sich selbst haben. Beides tut ihm nicht gut. Nach einer Menge Mord und Totschlag wird er erlöst. Andere Zeugen berichten von seiner Höllenfahrt.
Flynt, Larry (Pornoverleger).
Larry Flynt verdiente als Verleger des "Hustler” Millionen und führte einen Gerichtsprozess wegen Verbreitung obszöner Schriften nach dem anderen, bis der Moralverfechter Joseph Paul Franklin sein Marlin Gewehr, Kaliber 44 auf Flynt anlegte und feuerte. Obwohl der Schuss Flynts Magen durchschlagen hatte, verhinderte seine Frau den Exitus, indem sie die Ärzte anschrie: "Ich will, dass Larry überlebt und es ist mir egal, ob ich nachher nur noch seinen Kopf einem Goldfischglas habe."
Flynt blieb vom Bauchnabel abwärts gelähmt, stieg aus dem öffentlichem Leben aus und residiert seitdem in der zehnten Etage eines Chrom- und Glaspalastes in Beverly Hills.
Bill Gates (Tortentester).
Bekam nach diversen Ausstiegen seiner Betriebssysteme 1998 vor laufender Kamera ein Angebot, dass er nicht ablehnen konnte. Erkannte darauf, dass allein ein paar Ambitionen zum Weltimperator ausreichen, um ins Visier von Kartellbehörden und Terroristen der Keimzelle Linux zu geraten. Backt seitdem lieber kleine Törtchen.
Gould, Glenn (Pianist).
Zieht sich 1964, auf dem Höhepunkt seines Ruhmes, vollständig vom Konzertleben in die Anonymität von Hotels, Aufnahmestudios und Imbissbuden zurück, um sich vom "musikalischen Krämergeist" zu befreien. Wird danach, wenn überhaupt, nur noch in Mantel, Schal und Handschuhen vermummt gesichtet und gibt hauptsächlich Selbstinterviews in der dritten Person. Seine monatliche Telefonrechnung ist vierstellig.
Hasselbach, Ingo (Ex-Neonazi und Journalist).
Der ehemalige Parteichef der "Nationalen Alternative" schlug aus seinem Ausstieg aus der rechtsextremen Szene nach den Brandanschlägen von Mölln 1993 Kapital und veröffentlichte diverse Texte über die Szene, darunter auch den Bestseller "Die Abrechnung". Heute ist er als Journalist tätig und Mitbegründer des Aussteigerprogramms "Exit", das ehemaligen Nazis den rechten Weg weisen soll.
Heidegger, Martin (Philosoph).
will dem politischen Seienden möglichst nahe kommen und freut sich daher 1933 über die Machtergreifung der Nazis. Als das mit dem Seienden nichts wird, sucht er nach dem Sein und zieht sich in seine Berghütte zurück. Dort steigt er immer weiter aus der Alltagssprache aus und erfindet die lustigsten Sätze der Philosophiegeschichte.
Hennig von Lange, Alexa (Autorin).
Zieht im Frühjahr 2004 mit Kind und Abschnittspartner nach Hannover. Hannover! Mein Gott! Härter kann man nicht aussteigen. Wirklich nicht.
Hill, Julia Butterfly (Baumbewohnerin).
Hill klettert Ende 1998 auf einen Redwood-Baum im Norden Kaliforniens um ihn vor dem Abholzen zu bewahren. Genau 738 Tage verbringt sie auf dem Baumriesen, dessen Exemplare über 100 Meter hoch und mehr als 1200 Jahre alt werden können. Ihr Ausstieg aus dem Leben rettete nicht nur „Luna“, sondern dem ganzen Gebiet das Dasein. Die Maxxam Corp. und die Pacific Lumber Comp. sahen von einer Abholzung ab. Kurze Zeit später wurde die Gegend zum Naturschutzgebiet erklärt.
Holzach, Michael und Feldmann (Deutschlanddurchwanderer).
Holzach und sein Hund Feldmann erreichten das bis heute äußerst seltene Aussteiger-Triple: Nachdem Sie schon ein Jahr bei den Hutterern in Nordamerika verbracht hatten, durchquerten sie schließlich das alte Westdeutschland, und das gleich zweifach. Und zu Fuß bzw. zu Pfote. Als drei Jahre nach der Deutschlandreise Feldmann in die reißende Wupper stürzt, will Holzach seinen Kompagnon aus den Fluten retten. Keiner kehrte zurück ans Land. Beide stiegen endgültig aus.
Jackson, Michael (King of Ausstieg).
Begann, black & beautiful, als "King of Pop". Stieg dann aber aus dem Schwarzsein aus, stieg aus dem Schönsein und Superstarsein aus, ließ sich in Neverland nieder und erklärte sich zum König des Ausstiegs. Weiter gings. Raus aus dem Reichsein, raus aus dem Erwachsensein, erst recht ganz raus aus dem Vertrauen der Eltern, die ihre Kinder gern auf den Schoß von Königen setzen, um Teil zu haben am Ruhm. Unvergessen, wie der König den jungen Prince Michael II in einer feierlichen Zeremonie von seinem Balkon vom Berliner Adlon baumeln ließ, um ihn als Thronfolger zu initiieren: "So tief kannst du fallen, mein Sohn, wenn Du nach draußen willst."
Jünger, Ernst (Sturmtruppführer).
Steigt sein ganzes Leben lang um und aus. Nutzt dafür alles, was er in die Finger bekommt - Drogen, Waffen, Schiffe, Flugzeuge und Tinte. Sein Motto für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts: "Auf irgendeinem trüben Bahnhof musste man in den Zug einsteigen – als Nationalist oder als Bolschewik, als Revolutionär oder als Soldat, im Dienst obskurer Geister oder Theorien – es fragt sich nur, wie weit man mitfahren will".
Kaczynski, Theodore (Una-Bomber).
Radikaler Ex-Mathematikprofessor, der sich 25 Jahre lang in eine einsame Waldhütte verkriecht, von dort aus per Bomben den kompletten Ausstieg aus Technologie und die sofortige Zerstörung des Systems fordert, bis ihn das FBI schnappt und er sich den Bart rasieren muß.
Kerry, John (Vietnamkämpfer).
Verdient sich mit einigen Ballereien und skurrilen Rettungsaktionen im Krieg gegen den Vietcong eine Hand voll Auszeichnungen. Hätte deshalb alle Chancen gehabt, später mal Präsident der USA zu werden. Er steigt aber aus, wird Anti-Kriegs-Kämpfer, und hat deshalb heute alle Chancen Präsident der USA zu werden. (Muss allerdings gegen einen anderen berühmten Aussteiger antreten, der bei den Anonymen Alkoholikern gekündigt hat und keine Chance hatte, Präsident der USA zu werden, und der deshalb Präsident der USA geworden ist.)
Kenteris, Kostas und Thanou, Ekaterini (griech. pharmazeut. Assistenten).
Verschwinden aus dem olympischen Dorf, bevor ihnen die Doping-Kontrolleure das Fläschchen hinhalten können. Sie flüchten mit dem Motorrad, können sich aber - wegen der vollen Blasen - nicht auf den Weg ins Labor konzentrieren, sie verfahren sich und finden nicht mehr nach Olympia zurück. Sie heiraten im Exil, Kenteris erschlägt aber, ohne es zu wissen, seinen Vater an einer Weggabelung, bevor der ihm sagen kann, dass Thanou seine durch Medikamente verjüngte Mutter ist, es kommt schließlich alles raus, Kenteris wird geblendet, Thanou altert rapide, beide können deshalb auch an den nächsten und übernächsten olympischen Spielen nicht teilnehmen. Irgendwie tragisch.
Kleist, Heinrich von (Seconde-Leutnant).
Will mit Napoleon England erobern und der größte Schriftsteller Deutschlands werden. Für beides bringen seine Zeitgenossen kein Verständnis auf. Als er keinen Ausweg mehr sieht, steigt er final aus. Er fährt an den Wannsee, jagt zunächst seiner Begleiterin und dann sich selbst eine Kugel in den Kopf. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Kur, Epi- (Griechischer Philosoph) .
Hat mit der mit der speziellen Aussteiger-Variante der Stoiker nicht viel am Hut hat. Aussteigen, das ist für ihn das Sitzen in einem ruhigen, abgeschlossenen Garten, in friedvoller Gemeinschaft mit den anderen und Spaß am Leben. Aber wie das so ist – nur die Harten kommen in den Garten.
Lafontaine, Oskar (Politiker).
In einer bis dato nicht gekannten Konsequenz zieht sich 1999 der Superminister für Finanzen aus dem Kabinett der rotgrünen Bundesregierung ins Private zurück. Viele sprechen von Flucht, er sagt erst im Herbst des gleichen Jahres etwas dazu: in Buchform. "Das Herz schlägt links" erscheint pikanterweise in einem zum Springer-Konzern gehörenden Verlag. Einen Wiedereinstieg in die Politik hat er bis heute nicht geschafft.
Lenz, Jakob Michael Reinhold (Hofmeister).
Hat einen seltsamen Humor. In seiner "Hofmeister"-Komödie kastriert sich der Titelheld selbst, um seine Beziehungsprobleme zu lösen. Nachdem Lenz vom Weimarer Hof und damit von Goethe weggejagt wird, zeigen sich erste Anzeichen geistiger Verwirrung. Er steigt nach Rußland aus. Aber das rettet ihn auch nicht. 1792 findet man ihn tot auf einer Moskauer Straße.
Löffler, Sigrid (Herausgeberin LITERATUREN).
Stieg Ende 2000 nach über 75 Sendungen aus dem Männerverein Literarisches Quartett aus. An der Schilderung einer Sexszene in Murakamis Roman "Gefährliche Geliebte", die sie als obszön empfand und Karasek und Reich-Ranicki genüsslich gegen sie verteidigten, begann für sie der Einstieg zum Ausstieg in der populärsten Literatursendung, die das deutsche Fernsehen je besaß.
Lustig, Peter (Kinderhasser).
Steigt aus der üblichen Wohnungsmarktpolitik aus und in einen Bauwagen um. Gleichzeitig verlässt seine Sendung die Grenzen der bisher bekannten Kinderunterhaltung und ermunternt auch die lieben Kleinen zum sonntäglichen Kurzausstieg, etwa durch das subversive Pflanzen von Unkraut oder die kollektive Begrünung der Großstädte.
Luther, Martin (Reformator).
Würde sich selbst nicht als Aussteiger betrachten, aber die Geschichtsschreibung hat immer Recht. Steigt aus dem Kloster aus und nagelt Thesen an Türen. Begründer einer der erfolgreichsten Aus- und Umsteigebewegungen der letzten 700 Jahre.
Mann, Thomas (Exilant).
Schreibt große Romane. Weil er mit humanistischen Vernunftappellen an seine hitlerverrückten Mitbürger nichts ausrichtet, emigriert er in die USA. Appelliert von dort aus weiter, schreibt große Romane. Kehrt, von zwei Stippvisiten abgesehen, nie wieder nach Deutschland zurück. Braucht er auch nicht, er hat's ja mitgenommen: Wo er sei, sagt er, sei Deutschland. Deutschland liegt auf einem Züricher Friedhof.
Maradona, Diego (Sportler).
Der Übersteiger des argentinischen Fußballs.
Benutzte die Hand Gottes nicht nur zum Tore machen, sondern auch zum Koksen
und Saufen und zum Fettwerden. Die Beinarbeit ließ dabei sehr zu wünschen übrig. Folgerichtig: der Abstieg von der schnellen zur runden Kugel, die mit Herzattacken ins Krankenhaus rollte.
Möllemann, Jürgen (Politiker).
Fallschirmspringer und liberaler Lautsprecher. Gilt als kontrovers, aber auch als "Stehaufmännchen", weil er nach jeder Krise irgendwie wieder nach oben kommt. Sein Motto: "Kämpfen, Jürgen, kämpfen!". Als er im Wahlkampf aber mit polemischen Flyern Antisemitismus-Alarm auslöst, und als dann noch wegen diverser krummer Geldgeschäfte gegen ihn ermittelt wird, lässt seine Partei ihn aussteigen. "Mölle" stürzt in die politische Bedeutungslosigkeit - und steigt schließlich selber aus. Aus dem Flugzeug. Und fällt tief.
Mononoke, Prinzessin (japanische Greenpeace-Aktivistin).
In der mythischen Vorzeit Japans lebt das wilde Mädchen San, genannt Prinzessin Mononoke, geschaffen vom grossen Meister Miyazaki. Tief in den Wäldern ist ihr zu Hause, denn hierhin wurde sie – Mogli-gleich – als Kind ausgesetzt. Mit Zähnen und Klauen verteidigt sie Natur und Tier gegen Lady Eboshi, herrische Betreiberin einer Eisenhütte. Den Tag über zieht San mit ihrer Familie, den Riesenwölfen, durch den Wald, säubert deren Wunden, im bitteren Kampf erlitten, im klaren Flusswasser. Immer begleiten sie Kodamas, kleinen quirlige Baumgeister. Und inbrünstig verehrt die Prinzessin den großen Hirschgott, König aller Tiere.
Moondog (Musiker).
„Opposite Moondog“ nannte das New Yorker Hilton-Hotel in einer Anzeige als Adresse – „Opposite Moondog“, d.h. gegenüber von einem graubärtigen, blinden Mann mit Wikingerhut auf dem Kopf und einem Speer in der Hand. Seit den 50er Jahren stand und wohnte Louis Thomas Hardin alias Moondog, Sohn eines Wanderpredigers, Ecke 54. Avenue, 6. Strasse. Irgendwann war er einfach verschwunden, man hielt ihn für tot. Doch Moondog lebte. Er war ausgereist. Nach Deutschland. Er stand in Hamburg, in Hannover, in Recklinghausen, zum Schluss in Oer-Erkenschwick und verbrachte dort seine letzten Lebensjahre. Als er 1999 stirbt, hinterlässt er ein Leben voller Legenden und ein umfangreiches musikalisches Werk.
Moses (Sekretär).
Da auch hartnäckige Gewerkschaftsverhandlungen nicht mehr fruchten, führt Moses die Israeliten zu einer Massendemonstration. Leider nehmen sie die falsche Abzweigung und steigen endgültig aus dem Arbeitsverhältnis aus und in das Wüstenleben ein. Auch eine neue Vereinssatzung hält die Israeliten jedoch nicht vom Randalieren ab.
Naumann, Michael (Zeitungsherausgeber).
Wurde im Oktober 1998 Staatsminister für Kultur und Medien im Kabinett von Gerhard Schröder. Etwas mehr als zwei Jahre hat er die Politik ertragen, "sprunghaft, ohne Rückversicherung, die institutionelle Konsensmechanik weitgehend ignorierend", wie die FAZ stilsicher bemerkte, um dann im November 2000 wieder auf die andere Seite zu wechseln und in die Medienwelt auszusteigen. "Die schönste Form der Freiheit", so der Titel seiner gesammelten Politikerreden, hat er erst hier wieder gefunden.
Nazareth, Jesus von (Messias).
Sorgt mit einer Geißel aus Stricken im Tempel für Unruhe, als er gewaltsam den Ausstieg des dortigen Opferhandels fordert. Der Nachwelt bleibt er als der Meister des ultimativen Ausstiegs als Aufstieg im Gedächtnis.
Neas, Ä (Fürstensohn).
Setzt sich rechtzeitig aus dem brennenden Troja ab. Mit seinem alten Vater auf dem Rücken und einer Schiffsmannschaft Trojaner macht er die Weltmeere unsicher, bis er aus dem Vagabundenleben wieder aussteigt und Rom gründet.
Nehberg, Sir Vival Rüdiger (Feinschmecker).
Der 68-jährige Beweis, dass man selbst als deutscher Konditor nicht im Einfamilienhaus versauern muss, sondern - nur mit kurzer Hose bekleidet – auch mitten im Urwald eine Menge Spaß haben kann. Zeigt uns, wie es auch ohne Mikrowelle geht (mit Insekten beispielsweise).
Ottke, Sven (Sportler).
...wenns am schönsten ist. Am 27.März 2004, nach siegreichem Kampf erklärte der 36-jährige Doppelweltmeister der Verbände IBF und WBA seinen Rücktritt. "Ich habe gesagt, ich will in Magdeburg aufhören", sagte er. "Und das tue ich jetzt." Ein Vorbild auch für deutsche Rennfahrer.
Paul II., Johannes (Seine Heiligkeit).
Wer einen Beruf ohne Rentengrenze ergreift, ist entweder sozial nicht abgesichert oder tut es aus sehr sehr ernsthaftesten Gründen. Bei Johannes Paul kam beides zusammen. Der unausweichliche Ausstieg seiner Heiligkeit gestaltet sich deshalb langwierig und zäh. Aber er hat es nicht anders gelernt. Gehört er doch zu den letzten Vertretern jener Generation von Machthabern, die bis zur Schlussvergreisung an ihren Ämtern festhalten wollen. Was solls. Fidel Castro wird auch noch regieren, wenn er nicht mal mehr die Faust ballen kann.
Prince, Petit (Astronaut).
Wahrscheinlich mit einem Wildvogelzug schwebte er durchs All, besuchte den König, den Trinker, den Straßenlaternenanzünder. Hüstelnd verblieb auf seinem kleinen Asteroiden B 612 bloß die kokett eitle Rose, für die er verantwortlich ist. Schließlich gelangte er auf die Erde, in die Wüste, ließ sich ein Schaf zeichnen, erzählte von seiner langen Ausstiegsreise und verschwand alsbald erneut. In seinem Nachlass findet sich die wirklich wichtige Frage: "Le mouton, oui ou non a-t-il mangé la fleur? ... Et aucune grande personne ne comprendra jamais, que ça a tellement d’importance !"
Saulus (Paulus).
Hat als Pharisäer zunächst wenig für Jesus übrig. Als er vor Damaskus auf die Erde fällt, wandelt er sich und wird zu einem der wichtigsten christlichen Missionare. Vertritt – gegen Petrus – die Position, dass vor allem der Glaube entscheidend ist, wenn man aus seinem ,ungläubigen' Leben aussteigen will.
Stevens, Cat (Yusuf Islam).
Sänger, der vor allem durch sein Lied " Morning Has Broken" in den 1970ern bekannt wurde. Schrieb auch den Soundtrack zum Kultfilm "Harold und Maude". Neben Elton John war er der erfolgreichste Songwriter Großbritanniens. Konvertierte dann 1978 zum Islam und nannte sich ab dem Zeitpunkt "Yusuf Islam". Erst 2001, nach den Anschlägen des 11. September taucht er wieder auf, um mit seinem Einsatz für die Opfer der Anschläge dem Eindruck zu widersprechen, er habe die Fatwa gegen Salman Rushdies "Satanische Verse" unterstützt.
Val, Parzi (Artusritter).
Hat wirklich eine Karriere von Ausstiegen vorzuweisen. Von seiner Mutter zunächst in der Wildnis aufgezogen, mausert er sich zum Artusritter, nur um von dort wieder ausgestoßen zu werden, weil er bei der Gralssuche versagt hat. Er steigt aus der Zivilisation und aus dem Christentum aus, um einige Jahre unkoordiniert durch die Gegend zu reiten. Schließlich schafft er den Ausstieg an sich: als Gralskönig wird er der restlichen Welt entrückt. Mit ihm konkurrieren kann nur noch sein Sohn Lohengrin, der aus dem berühmt-berüchtigten Schwan aussteigt, nur um ein paar Jahre später zwangsweise wieder einzusteigen.
Vanilli, Milli (türkisch für Positive Energie).
Erfolgreiches Pop-Duo der 1990er, beide Artisten wurden aus dem Musik-Olymp verstoßen und mussten die Grammys abgeben, als herauskam, dass sie nur gutaussehende menschliche Playbackmaschinen waren.
der VIII., Heinrich (König).
Will aus der Ehe mit Katharina von Aragon aussteigen und entledigt sich auch gleich noch seiner Bindung mit der katholischen Kirche. Er gründet er die anglikanische und unterstützt sie mit guten Argumenten: Ausstieg oder Scheiterhaufen.
Walser, Robert (Stückliprosaschreiber und Spaziergänger).
Hat 1929, in seinem einundfünfzigsten Lebensjahr, genug vom Literaturbetrieb, genug vom Stückliprosaschreiben, genug von den Stimmen im eigenen Kopf und genug auch ein bisschen von sich. Er tritt in die Heilanstalt Waldau bei Bern ein. 1933 wird er nach Herisau verlegt, wo er bis zu seinem Tod 1956 bleibt. Sein letzter Brief endet mit den Worten: „Herzlich grüßt Sie Ihr sehr geneigter Robert Walser.“
Wittchen, Schnee (Märchenprinzessin).
Erkennt gerade noch rechtzeitig, dass man nicht alles schlucken darf, steigt aus der Haushälterinnenbranche aus und heiratet reich, so dass sie für den Rest ihres Lebens gemein zu der Verwandtschaft sein kann.
Bill Wyman (Bassist).
Hat als einziger lebend die Rolling Stones verlassen. Er hatte alles erreicht, genug Geld und außerdem das Gefühl, alt zu werden – so seine Begründung. Vermutlich war das die einzige Möglichkeit, einmal mehr Schlagzeilen zu bekommen als der Rest der Truppe.
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