SNAPSHOTS/LCB03



(01:03 Uhr) Am Ende senken sich wie immer die Vorhänge der Nacht über die Bühne, das war die Show jetzt, da hilft auch keine Brille nicht. Alles verschwindet: die Accessoires, die Frisuren und die Gesten. Auch die karibischen Rhythmen. Alle exklusiv herausgestellte Lebensart, die so distinkt macht. Sie muss der Indifferenz des grossen Dimmers weichen, "Sorry, Sie haben kein Profil drauf". Die Sätze werden anstrengend, sie verhallen in den Tiefen des Raumes, in der Tiefe der See, die nur noch zwei schwarze Dimensionen hat. Man kann auf der Terrasse stehen, Sekt und Sushi aufstoßen und den Blick über den Wannsee hängen. Man könnte Impressionen wiederkäuen, man könnte auch aufpassen, nicht kitschig zu werden, so den Nachgeschmack eines mehr oder minder festlichen Festes auf der Zunge, je nachdem. Vielleicht betastet jemand sein Augenlid und stellt fest: Der Abend hat Spuren hinterlassen. Warum gibt es eigentlich noch keine markttauglichen Nachtsichtgeräte für Zustände wie diesen, als Lifestyle-Artikel für Durchblicker, und Durchblicker, das sind sie ja, die Belesenen. Daniel Küblböck, falls das Daniel Küblböck ist, der gerade sein halbleeres Glas vor dem Seepanorama platziert, weiß das auch nicht so genau. Nicht so schlimm. Es ist alles nicht so schlimm jetzt. Es geht das Gerücht, dass es woanders noch was zu sehen gibt. Man könnte jetzt gehen. Ja, man könnte jetzt wirklich gehen. Und dann wäre man weg. Einfach weg. Was bleibt, dichten die Stifter.







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