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Dialektik der Aufklärung

Haribos "Bärenschule" ist die Fruchtgummi-Variante für Fortgeschrittene. Während sonst nur orale Befriedigungsmittel wie Schnuller oder die Illustrationen elementarer Bilderbücher geboten werden - Elefanten, Bären, Krokodilen, Papageien, Dinosaurier -, führt uns die "Bärenschule" ins Reich der abstrakten Zeichen, der Buchstaben und Zahlen. Dass Zeichen so eingängig wie Süßigkeiten sind und dass man gern auf ihnen herumkaut, das ist der Traum der Aufklärung gewesen. Deswegen wollte der berühmte Reformpädagoge Johann Heinrich Campe in seinem "Neuen Bilder Abeze" auch das Alphabet als "Naschwerk" verkaufen. Und Johann Bernhard Basedow brachte den Kindern als erste Worte "Suppe", "Kuchen", "Rosinen" und "Erdbeeren" bei. Wenn man freilich "Erdbeeren" in Fruchtgummiform in den Mund nimmt, fliegt der ganze Schwindel auf. Das Wortverschlingen wird zur mühsamen Kauarbeit, schon der kleinste Text führt zu erheblicher Belastung des Verdauungsapparats. Eine Kritik der Aufklärung müsste genau hier ansetzen.

Erhältlich in beinahe jedem Supermarkt, ab 1,19 €.

Steffen Martus , © lit03.de, 2004