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Alles für den Handwerker
Schreiben hat nichts Göttliches an sich. Schreiben ist Arbeit. Harte Arbeit.
Struktur, Sprache, Systematik müssen ausgearbeitet, die Architektur jedes Kapitels skizziert und festgelegt werden, bevor mit der Grundsteinlegung, dem ersten Satz, angefangen werden kann. Anders gesagt: Würden die Macher der „Sendung mit der Maus“ erklären, wie man ein Roman schreiben kann, würden es wohl so klingen: „So ein Buch ist was ganz ähnliches wie so ein Haus. Da braucht man ein Fundament. Einen Bagger, der tief in der Erde der Gedanken ein Loch gräbt. Und eine Menge Handwerk, weil – das habt ihr vielleicht schon mal gehört – Schreiben ein Handwerk ist. Und weil der Schriftsteller damit ein Handwerker ist, braucht er auch Werkzeuge. Klar. Und um den Schriftsteller daran zu erinnern, dass er nicht einfach so rumschreiben kann, wie er will, gibt es extra eine Schrift. Und die heißt ‚Craftsman‘. Das ist englisch und heißt Handwerker.“
„Craftsman“ ist ein wahrer Multifunktionstool-Kasten. Die einzelnen Buchstaben bestehen aus klassischen Handwerksgegenständen wie Hammer, Säge, Zirkel, Lineal oder Schraubstock. 26 Mal die Möglichkeit, an einem einzigen Satz, an einem Wort – oder weiter gedacht – einem kompletten Kapitel herumzuhämmern, zu schneiden, zu stauchen oder zu messen. Und falls dabei mal die Papierspäne fliegen sollten, gibt es auch noch eine Schutz- rille.
Aber vielleicht ist das auch eine falsche, viel zu intellektuelle Erklärung. Wer kann schon wissen, warum ausgerechnet jene Gegenstände ausgewählt wurden? Könnte es nicht auch genauso möglich sein, dass der Schöpfer dieser Schriftart etwas Größeres, Raffinierteres im Sinn hatte? Nämlich: den Kontakt zwischen den zwei Kulturen herzustellen. Nun bekommen die „Kopfarbeiter“ etwas Handfestes in die Finger. Und die „Handarbeiter“ endlich einmal ihre ganz eigene Ausdrucksart, mit der sie Häuser bauen können. Nicht aus Beton oder Mörtel, versteht sich. Sondern aus Baustoffen, die auch „Kopfarbeiter“ betreten können. Nicht mit dem Kopf durch die Wand, sondern durch die Eingangstür des ersten Satzes.

Craftsman, zu finden bei fontfile.com
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Hanno Raichle
, © lit03.de, 2004
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