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GroupSex

oder

Kleine Schweine

Es gibt diese Fotos wohl in jeder Abizeitschrift: der komplette Jahrgang steht auf dem Schulhof und formt das Wort "ABI", gefolgt von der jeweiligen Jahreszahl. Langweilig. Da ist die Luftaufnahme der nackten Irakkrieg-Protestler, die ein hautfarbenes "NO WAR" auf die grüne Wiese gelegt haben, schon interessanter. Regt immerhin zum Nachdenken darüber an, welche Friedenskämpfer aufeinander liegen und was für Körperteile mit im Spiel sind.

Aber bekanntlich steckt der Teufel nicht im großen Ganzen, sondern im Detail. Mitunter treibt er es dort sogar besonders wild. Hätte Jakob Sprenger, Verfasser des berüchtigten "Hexenhammers", im Jahre 1487 einen Computer besessen, wären wahrscheinlich auf den Scheiterhaufen des Landes nicht nur vermeintliche Hexen gelandet, sondern eine Schriftart namens "GroupSex" gleich dazu. Denn hier verbiegen sich im besten Kamasutra-Stil Strichmännchen und -weibchen und geben sich heftigst der Fleischeslust hin. Um die Kopulationsakte jedoch zu erkennen, muss man schon gute Augen haben. Sonst sieht man nicht, dass es beim "k" um knallharten Analsex geht. Oder beim "a" um einen bisexuellen Dreier. Es wäre peinlich, die Buchstaben für eine Mischung aus Xylophonklöppel und den ungelenken Versuch zu halten, eine asiatische Schrift zu erstellen.

Aber genau darum reibt sich der postmoderne Teufel grinsend die Hände. "GroupSex" bietet sich für alles Mögliche an. Eine betrogene Frau könnte ihrem Ex einen seitenlangen Brief schreiben, in dem schon die Buchstaben Vorwürfe sind. Oder Nymphomanen könnten ihren Partnern crypto-pornographische Mails in die Firma schicken, ohne dass der mitlesende Chef stutzig wird, wenn sich zwei nur zum Klettern verabreden.

Bereits im 16. Jahrhundert schufen Künstler Anamorphosen, die mit Hilfe eines gewölbten Spiegels ihre verzerrte Gestalt verloren. Dann zeigten sich ihre versteckten Motive, die mit bloßem Auge nicht erkennbar waren: Totenschädel oder nackte Frauenkörper. Der Spiegel im 21. Jahrhundert ist bei "GroupSex" die Computermaus. Markiert jemand die unschuldige 12er-Schriftgrösse und ändert sie auf 36, ist er enttarnt. Also Vorsicht: Man wird Sie nach erfolgreicher Dechiffrierung ganz anders ansehen. Sagen Sie also nicht, man hätte Sie nicht gewarnt, wenn Ihre kleinen Schweinereien plötzlich ganz groß rauskommen.

GroupSex

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Hanno Raichle , © lit03.de, 2004