lit.folgen
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Hypermarché
Goethe fisten
Das Krokodil steckt seine grüne Nase in die Szene. Durch das Publikum geht ein Raunen, Gretel ahnt nichts und wackelt mit den blonden Zöpfen. Das Reptil gleitet unbemerkt näher. Warnrufe gellen aus den vorderen Reihen, Gretel summt ein kleines Lied. Weiße, dreieckige Zähne blitzen in einem rotgähnenden Schlund – In dieser Sekunde braust wehenden Mantels der Klassik-Kasper auf die Bühne! Er runzelt die mächtige Stirn: "Du Spottgeburt von Dreck und Feuer!" Mit einem präzisen Faustschlag streckt er das Krokodil nieder, das Ungeheuer verröchelt. Erst jetzt, als sie den schlaffen Kadaver über dem Bühnenrand hängen sieht, erkennt Gretel, in welcher Gefahr sie geschwebt hat. "Mich überläuft’s!" haucht sie und sinkt dahin. "O schaudre nicht!" beruhigt sie der Klassik-Kasper sonor und birgt sie in seinen Filzarmen, "Laß diesen Händedruck dir sagen / Was unaussprechlich ist: / Sich hinzugeben ganz und eine Wonne / Zu fühlen, die ewig sein muß! / Ewig! – Ihr Ende würde Verzweiflung sein / Nein, kein Ende! Kein Ende!" In diesem Moment fällt der Vorhang, die Menge brüllt vor Glück. Das Gutewahreschöne bleibt siegreich. Sein Erfolg fällt auf die Agentur Weltlabor zurück, mit deren Goethe-Handspielpuppe man die Weimarer Klassik sogar auf Kindergeburtstagen aufleben lassen kann. Und auf Erwachsenenpartys fällt einem sicherlich auch allerhand ein.
Erhältlich für 19,90 € bei www.goethe-versand.de.
main Jan Oberländer
, © lit03.de, 2003
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