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Hypermarché

Als das Rauchen noch geholfen hat

Es gab mal eine Zeit (das werden wir zu unseren Kindern sagen, wenn wir trotz des vielen Rauchens alt geworden sind), in der es auf den Zigarettenschachteln was zu lesen gab. Das war lange Zeit, bevor die Lungenflügel voller Krebs in großen Bildern auf die Packung kamen, die amputierten Raucherbeine, zwei drei Stück auf jeder Seite, die dreißig vierzig gelben Finger ohne Blut, die hundert toten Röhren für die Luft mit tausend schwarzen Löchern drin. Und selbst das (ihr lieben Kinder, hört gut zu) war auch noch lange vor der Zeit, in der beschlossen wurde, Zigarettenschachteln hätten selber auszusehen wie Geschwüre, so wie ein ganzer Haufen böser Zellen, der in der Jackentasche weiter wächst und wächst und immer schneller wächst, je öfter man sich eine Zigarette aus dem dunklen Klumpen Fleisch herausgezogen hat. Also (glaubt mir, liebe Kinder) lange, lange Zeit davor, da gab es was zu lesen, da stand was geschrieben auf den Päckchen. Nämlich auf so kleinen weißen Schildern, dass das Rauchen schädlich sei. – Und die Kinder (wenn wir trotz des Rauchens welche haben werden), werden das nicht glauben. Und sie werden von uns alten Schwätzern die Beweise fordern. Und dann werden wir uns ärgern, dass wir all die Päckchen achtlos weggeworfen haben, dass wir sie nicht aufgehoben und gesammelt haben, um uns selbst und um die Kinder irgendwann einmal an jene guten alten Zeiten zu erinnern. Damals. Als die Raucher Leser waren. Und jede Packung Zigaretten war so wertvoll wie ein kleines Buch.

Eine Beweispackung mit Schild kostet derzeit ca. 4 Euro.



Stephan Porombka , © lit03.de, 2003